Morgentau der Seele – Wo sich die heiligen drei Ströme treffen

MORGENTAU DER SEELE

Wo sich die heiligen drei Ströme treffen

(nach Yogi Kumbaripava)

In Indien ist die Zahl drei heilig.

Als heilig wird zum Beispiel Rajghat in Benares angesehen, der Ort, wo sich die drei Ströme treffen, wo sich die Flüsse Jamuna und Sarasvati, Quellflüsse des Ganges, zum Ganges vereinigen.

Man glaubt, dass die Sünden vergeben sind, wenn man hier badet. Alljährlich pilgern viele Menschen zu dieser heiligen Stätte. Während sie heilige Silben rezitieren, steigen sie  die Treppen zum Fluß  hinunter und tauchen in das Wasser ein.  Dazu gehört,  symbolisch einige Tropfen davon zu schlürfen.

Ich kenne einen jungen Deutschen, der sich bei seinem Indienaufenthalt eine Verletzung am Fuß zugezogen hatte und ängstlich vermied, dass die Wunde mit Wasser des Flusses in Berührung kam, weil er als westlich Denkender es als unhygienisch empfand.  Er hatte Fotos gemacht von Leichen, die in den Fluß geworfen werden, weil die Angehörigen sich den normalerweise üblichen Holzstoß für die Verbrennung der Leiche nicht leisten können. Holz ist teuer in Indien, es gibt nicht genug, wegen der Trockenheit kann wenig Holz wachsen.  Sehr alte rostige Schiffe fahren auf dem Fluß.  Es gibt kein Gesetz, das verbietet, verschmutztes altes Öl ins Wasser zu verklappen. Vielen dient der Fluß als Toilette. Aber der Ganges ist heilig. Seinem Wasser wird Heilkraft zugeschrieben. Der junge Mann berichtete, dass er eines Tages unachtsam war und eine Welle des Ganges über seine Wunde am Fuß schwappte. Staunend und noch immer ungläubig erzählte er uns, daß  von dem Tage an seine Wunde zusehends heilte.

Ich war am Cap Comorin. Auch dieser Platz Indiens ist heilig. Hier steht das Vivekananda Denkmal, hier treffen sich die drei Ozeane Arabisches Meer, Indischer Ozean und Golf von Bengalen. Wir wurden zu einem Ort geführt, der den Namen Kanjakumari hat. Hier wird in jedem Jahr das schönste sechzehnjährige Mädchen ausgewählt um für ein Jahr die heilige Lalita zu verkörpern. Sie lebt wie eine Nonne, bekommt Unterweisung in den heiligen Schriften der Inder, Veden, Upanishaden,  Brahmanas, Samhitas, Shrutis, Smritihs und wie sie alle heißen. Sie wird wie eine Göttin verehrt. Wenn sie im nächsten Jahr siebzehn wird, kann sie entscheiden, ob sie Nonne bleiben will oder studieren oder heiraten oder was auch immer. Eine neue sechzehnjährige nimmt ihren Platz als heilige Lalita ein.

Im Kopfe eines jeden Menschen ist eine Stelle, die in Indien als heiliges Dreieck angesehen wird. Kapitel 6 der Gheranda Samhita Vers 9 -11 berichtet über Sthula Dyhana, die grobstoffliche Meditation:  Der Yogi stellt sich das Gehirn oder genauer die Gehirnrinde als leuchtende tausendblättrige Lotusblüte vor. Innerhalb dieser tausendblättrigen Lotusblüte gibt es eine kleinere zwölfblättrige, deren Blüten weiß sind und in hellem Glanze strahlen. Auf jedem dieser Blütenblätter steht ein Buchstabe. Im Fruchtknoten dieses kleineren Lotus ist der Pranava OM geschrieben, der heilige Schöpfungslaut. Hier befindet sich ein Dreieck, dessen gedachte Linien die Buchstaben A K und Tha sind. Die Winkel dieses Dreiecks werden mit H, La und KS benannt.

(Zitat aus meiner Übersetzung der in Kaivalyadhama, Lonavla erstellten textkritischen Arbeit, für die mir mein indischer Yogalehrer Dr. M.L. Gharote die Übersetzungsrechte bei Swami Digambarji verschaffte. Zu dessen Namen: Digambarji ist ein hoher Anspruch, er hat die allergrößte Anspruchslosigkeit gelobt, in einer Schrift aus Rajasthan nach Yogi Kumbaripava wird es als höchste Stufe des Yoga gepriesen.)

Der Schweizer Indologe Peter Thomi widmet Gheranda Samhita 6, 9 -11 in seinen Kommentaren zu seiner Gheranda Samhita Übersetzung fast eine ganze Seite Text (Seite 108/109). Er verweist auf Sir John Woodroffe, der sich auf seinem Schaubild

römisch VIII ebenfalls mit diesem Dreieck befasst im Padukapancaka  Seite  486 und 491und erwähnt, dass es mit der Spitze nach unten gerichtet ist.

Der bereits erwähnte Yogi Kumbaripava beschreibt in seiner farbigen Schriftrolle aus Rajasthan (sie wurde gefunden von einer französischen Theologiestudentin.  Ich habe den Artikel aus dem französischen übersetzt mit Hilfe einer Mitarbeiterin der Universität Osnabrück ) die Heilige Triveni im Energiegefüge des menschlichen Körpers.

Seiner Auffassung nach gibt es die Heilige Triveni in der Nähe des Ajna Chakra doppelt. Eine heilige Triveni weist nach unten und die andere nach oben. Die obere Triveni befindet sich oberhalb der Augenbrauen. Vishnuiten tragen ein Zeichen auf der Stirn, ein weißes V mit einem roten Strich in der Mitte.  Ich meine, der rote  Strich in der Mitte bedeutet die Sushumna, die beiden anderen Ida und Pingala Nadi. Man sagt hier sei die Kreuzung des Weges der zu den drei Welten führt, auch in die Welt der Entsagung. Es ist der Weg zur himmlischen Welt, zur Welt der Sterblichen und zur Unterwelt, zu den Höllen.  Der Yogi, der über dieses Chakra meditiert, wird ein Sehender der Zeitdimensionen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Die andere Triveni ist nach unten gerichtet, dort wo unsere Nadis Ida, Pingala und Sushumna sich treffen, etwa in der Mitte der Stirn.

Ich ziehe daraus den Schluß, dass an dieser Stelle sich eine Spiegelungsebene befindet, an der sich das Geistige  der oberen Triveni  im Körperlichen, in der unteren Triveni  „spiegelt“, so wie die beiden Chakras spiegelbildlich angeordnet sind.

Die untere Triveni ist ein dreiblättriger Lotos und hat drei Farben: schwarz, weiß und rot. Sie symbolisiert die drei Gunas,  Rajas, Tamas und Sattwa, aus denen die ganze Schöpfung – so auch der Mensch besteht. Es ist unten, oben und die Mitte.   Hier „wohnt“ die kosmische Individuation.

Kumbari Pava bezeichnet die drei Ströme der unteren Triveni  als Ganges, Jamuna und Sarasvati. Es sind der Mond, die Sonne und das Feuer. Es ist die Stelle im Kopfe, wo die Meridiane des menschlichen Energiegefüges, die im Bereich der Rumpfbasis entspringen, sich wieder zusammenfinden, hier Ida, Pingala und Sushumna genannt. Das sind die drei wichtigsten Ströme unseres Energiegefüges.  Zwei von ihnen, Ida und Pingala winden sich um die Sushumna wie die Äskulap Nattern des bekannten medizinisches Wahrzeichens um den Äskulap Stab.

Kumbaripava spricht von einem „Mond“ im Stirnbereich,  von dem ausgehend Ströme der  Ambrosia, das ist die Flüssigkeit der Unsterblichkeit, in unseren Körper fließen. Ich könnte mir vorstellen, dass damit die Hypophyse gemeint ist, deren Hormone im  Körper wirken.

Kumbari Pava erwähnt in der Nähe des Mondes einen Bereich, den er „die Kuh, die alle Begehren stillt“  nennt. Das Fabeltier hat Menschenaugen, Schwanenflügel, einen Pferdehals, einen Hahnenkamm,  einen Pfauenschweif, ein Kuheuter mit vier Zitzen wo die heilige Flüssigkeit hervorsprudelt.

In der Nähe gibt es einen Lotos mit allen Regenbogenfarben, inmitten dieses Bereichs gibt es einen mystischen Vogel Hamsah, den Kumbaripava wie einen weißen Reiher gezeichnet hat.  Weiter berichtet Kumbaripava  von Goraksa Natha, dem Gründer der Natha Kultur (siehe auch:  Natha Sampradaya). Er ist  Guru (spiritueller Lehrer) der Kanpatha Yogis. Die Shakti Goraknaths ist die etablierte Wahrheit. Zu dieser Wahrheit gelangt man durch intellektuelle Suche, die Vikara genannt wird. Auffällig ist, dass Kumbaripava Goraksa Natha mit zur Seite gebreiteten Armen zeichnet. Er sitzt in der Mitte von vier Kreisen, die auf diese Weise angeordnet, Ähnlichkeit mit einem Kreuz haben.

Als die Erde entstand, diente der Berg Meru als Rührstab, so steht es in den Veden. Der Berg Meru ist ein Nebengipfel des Kilimandscharo und dort in der Nähe der Ngorongoro Krater. Ob diese Gegend ein Geheimnis der Menschheit birgt, ist noch unerforscht. Jedenfalls entspringt irgendwo dort der Nil und man findet in alten ägyptischen Schriften Zeichnungen von Männern, die im Lotossitz sitzen. Es gibt einen mindestens 500 Seiten starken Roman der früheren Vorsitzenden des Berufsverbandes Deutscher Yogalehrer, die über einen Pharao schreibt, den sie Ptahotep nennt. Für mich sieht das so aus, als ob sie Anzeichen kennt, dass Yoga von Ägypten nach Mohenjodaro und von dort aus nach Indien kam. In Indien wurde Yoga in der Sanskrit Sprache aufgezeichnet. Das Schrifttum ist unvorstellbar reichhaltig. In einem Leben kann man nicht alles gelesen haben. Da ist es tröstlich, dass man nach yogischer Auffassung bis zu millionenmal wiedergeboren wird. Man kann sich daher Zeit lassen, was man in diesem Leben nicht schafft, vollendet man im nächsten Leben.

Yoga bedeutet nicht nur Disziplin, Yoga bedeutet auch Gewaltfreiheit. In alten Zeiten, als es noch keine Nachrichtenblätter gab, ließ ein Kaiser Aschoka seine Gesetze an Felswände meißeln.  Von diesen Inschriften wissen wir, wie er sich um den Weltfrieden bemühte. Leider erreichte der Geliebte der Götter das Gegenteil, in einem Kriege um das Land Kalinga verloren Millionen der Waldbewohner ihr Leben. Kalinga, das ist in der Nähe von Poori, wo es die Verehrung des Jagannatha gibt. Das sind drei Holzfiguren aus uralten Zeiten, bunt bemalt. Jedes Jahr pilgern Millionen Gläubige zur Prozession nach Poori. Mir fällt auf, dass Jagannatha die Arme ausbreitet und dazu fällt mir ein: Kommet her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seit, ich will euch erquicken und ihr sollt mich preisen.

 

Quelle des Ganges bei Gangotri © Matthieu Rossez | le concept m

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